Was wir tun

Internationale Kindesentführung

Über Grenzen hinweg handeln, um familiäre Beziehungen zu erhalten und Lösungen im Interesse der Kinder zu suchen.

Eine elterliche Kindesentführung liegt vor, wenn ein Elternteil sein Kind gegen den Willen des anderen Elternteils ins Ausland bringt oder dort zurückhält, ohne allein über dessen Aufenthaltsort bestimmen zu dürfen. Das Kind wird dadurch aus seinem Umfeld gerissen und kann in einen grenzüberschreitenden Familienkonflikt geraten.

Der SSI Schweiz begleitet Familien und Fachpersonen, die mit solchen Situationen konfrontiert sind. Sein interdisziplinäres Team leistet soziale und rechtliche Unterstützung, trägt zur Lokalisierung des Kindes und zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der familiären Beziehung bei und sucht – wo möglich – nach einvernehmlichen Lösungen im Interesse des Kindes.

Der SSI Schweiz arbeitet mit dem Bundesamt für Justiz (BJ) zusammen, der Zentralen Behörde der Schweiz für die Anwendung des Haager Kindesentführungsübereinkommens von 1980. Ist dieses Übereinkommen nicht anwendbar, mobilisiert der SSI Schweiz sein internationales Netzwerk und kann die Suche nach Lösungen erleichtern, insbesondere durch transnationale Familienmediation. In diesem Bereich ist er zentrale Anlaufstelle der Schweiz im Rahmen des Malta-Prozesses.

Prävention, Beratung und Orientierung

Der SSI Schweiz informiert und berät Eltern, Fachpersonen und Behörden, die mit einem Entführungsrisiko oder einer Entführung konfrontiert sind. Er beleuchtet die sozialen und rechtlichen Aspekte, erklärt bestehende Alternativen und Handlungsmöglichkeiten und verweist an die zuständigen Stellen.

Lokalisierung des Kindes

Wurde ein Kind ins Ausland gebracht oder dort zurückgehalten, kann der SSI Schweiz über sein internationales Netzwerk – in Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden und Partnern – zu seiner Lokalisierung beitragen.

Sozialabklärung und Schutz

Mit seinen Partnern im Ausland kann der SSI Schweiz eine Sozialabklärung zur Situation des Kindes und seines Umfelds durchführen oder durchführen lassen. Diese Informationen helfen, seine Bedürfnisse einzuschätzen und Schutzmassnahmen einzurichten.

Wiederherstellung der familiären Beziehung

Wo möglich und im Interesse des Kindes unterstützt der SSI Schweiz den Erhalt oder die Wiederherstellung des Kontakts zum Elternteil, von dem das Kind getrennt ist. Er kann zudem dazu beitragen, geeignete Kontaktmodalitäten festzulegen.

Transnationale Familienmediation

Lorsque les conditions sont réunies, le SSI Suisse évalue la possibilité d’une médiation familiale internationale et peut proposer une médiation en Suisse ou orienter les parents vers un service compétent à l’étranger. En tant que point de contact central pour la médiation familiale internationale en Suisse, le SSI Suisse contribue également à l’orientation des familles vers des professionnel-le-s et des services de médiation dans les pays concernés. 

KindesvertretungAngebot in der Deutschschweiz

Der SSI Schweiz bietet eine Kindesvertretung in Verfahren wegen internationaler Kindesentführung vor Schweizer Gerichten an – insbesondere wenn das Kind in die Schweiz verbracht oder hier zurückgehalten wurde. Dabei berücksichtigt er die individuelle Situation des Kindes, sein Alter und seinen Reifegrad sowie sein familiäres und kulturelles Umfeld.

Vorbereitung und Begleitung der Rückkehr

Wurde die Rückkehr des Kindes zwischen den Eltern vereinbart oder von einem Gericht angeordnet, soll sie möglichst kindgerecht ablaufen. Der SSI kann die Vorbereitung der Rückkehr unterstützen, eine physische Begleitung sicherstellen und zur Organisation der Nachbetreuung beitragen. Er kann auch die Wiederaufnahme der familiären Beziehungen unterstützen. Der SSI Schweiz will die Akzeptanz der Begleitung bei den betroffenen Personen fördern.

Mehr erfahren.

Podcast

Hören: elterliche Kindesentführung im Podcast Gewaltfrei

In dieser Folge von Gewaltfrei spricht Anna Häseler, Sozialarbeiterin beim Internationalen Sozialdienst Schweiz, über die Realität und die Hintergründe der elterlichen Kindesentführung.

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Internationale Lebensgeschichte
Lebensgeschichte

Juana: Dank Mediation zurück in die Schweiz

Die Mutter von Juana* bringt ihre Tochter ohne Zustimmung des Vaters, Philippe*, nach Trinidad und Tobago*, in ihr Herkunftsland. Philippe sorgt sich um die Gesundheit seiner Tochter, die tägliche Therapien benötigt, leitet rechtliche Schritte ein und wendet sich an den SSI Schweiz.

Angesichts der Dringlichkeit richtet der SSI Schweiz mit Unterstützung seiner Partnerorganisation in Trinidad und Tobago eine Vormediation mit der Mutter ein. Nach mehreren Monaten des Austauschs über das übergeordnete Kindesinteresse von Juana und die Bedingungen ihrer Rückkehr wird eine Einigung erzielt.

Im August 2023 kehren Juana und ihre Mutter in die Schweiz zurück. Juana kann ihre Therapien wieder aufnehmen und die Beziehung zu ihrem Vater erneuern. Möglich wurde diese Rückkehr dank der Zusammenarbeit zwischen der Familie, den Schweizer Behörden, dem SSI Schweiz und seiner Partnerorganisation in Trinidad und Tobago.

* Namen und Orte geändert.

Wurde ein Kind ins Ausland gebracht oder wird es dort zurückgehalten?